Kategorie: Geblubber

Ich war auf der Touristik & Caravaning und es war die schönste Messe meines Lebens.

Es ist Mittwoch, der 16.11. und in Sachsen ist Feiertag. Draußen regnet es in Strömen und wir wissen wie immer nichts mit uns anzufangen. Verschiedene Vorschläge werden in den Raum geworfen: Indoor-Minigolf, Museum, Crack rauchen, zu Hause rumhängen – nichts überzeugt uns so richtig. Dann, vielleicht aus Spaß, betritt der Vorschlag Touristik & Caravaning auf der Messe in Leipzig den Raum. Anfangs habe ich das Ganze abgetan. Haha, ja, genau. Ne Touristik-Messe. Was für Menschen gehen denn zu sowas? Touristen und Camper, prost Mahlzeit. Aber ehe man sich versieht, legt man Crack und Minigolfschläger beiseite und sitzt im Auto, bezahlt 6 Euro (!!!) Parkgebühr und betritt die Messehalle in Leipzig.

Die Schlangen verraten bereits, welches Publikum von dieser Messe angezogen wird. Es sind, wenig überraschend: Rentner. Und wir. Keine Rentner. Aber wir scheinen auch die einzigen unter 50 zu sein. Ab und zu Fachbesucher mittleren Alters im Anzug, aber die zählen nicht.

Am Schalter angekommen: Ernüchterung für alle Nicht-Studenten. Während ich locker-lässig fünf Euro zücke und mein Studententicket erhalte, müssen die anderen 11 freaking Euro (!!!!!!!) für ein Tagesticket blechen. Ermäßig kostet der Spaß 9 Euro. [Wenn Studenten allerdings nicht in die Kategorie ermäßigt fallen, weiß ich nicht, wer hier als ermäßigt gilt. Hartz-IV-Empfänger? Dann fände ich es gemein, dass die fast das Doppele zahlen müssen, wie Bafög-verwöhnte Studierende. Renter? Dann wäre die Messe schön blöd, sich bei 99% der Besucher jeweils zwei Euro durch die Lappen gehen zu lassen. Wehrdienstleistende? Die sollen bitte das Doppelte bezahlen. Danke.]

Um diverse Euro leichter betreten wir die Heiligen Hallen der Messe Leipzig. Die Erwartungen sind hoch, denn mein Lieblingsreiseunternehmen begrüßt die Besucher gleich zu Beginn.

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Nach anfänglicher Skepsis schwingt meine Stimmung um, von „Könnte geil werden“ in „Könnte richtig richtig geil werden“.

Die erste Halle, die wir betreten: Halle 1. Wir lassen Halle 5 und Halle 3 erst einmal links liegen und schlängeln uns in die Halle, die irgendwas mit „Fahrrad“ zu bieten hat. Interessiert uns etwas mehr als der Rest erst mal. Der erste Eindruck: fantastisch. Die US-Wahl hat es bis nach Leipzig-Nord geschafft. Eine Fressbude, classy dekoriert mit klarem Bekenntnis und begeisterten Besuchern:

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Großartig sieht das aus. Und schmeckt hoffentlich allen. (Anmerkung: 100% der Besucher, die ich gesehen habe, waren weiß. Also kann sich auch niemand angegriffen fühlen von dieser Flagge als Statement.)

Für Fahrradbegeisterte hatte die Ausstellung/Messe leider nicht viel zu bieten. Interessierte (Rentner) konnten sich über die neuste Generation E-Bikes informieren; Fans des klassischen (akustischen) Fahrrads würde ich eher einen Besuch im Fahrradfachgeschäft empfehlen.

Weiter also. In Halle 3 wurde es HEISS HEISS HEISS. Die Vizeweltmeisterin im Bauchtanz (!!!), deren Namen ich leider vergessen (!!!!!) habe, legte eine amtliche (!!) Show (!!!!!) hin. Das Publikum (Rentner!!!) hielt es kaum auf den Stühlen. Nach wenigen Minuten (ich glaube, es waren wirklich nicht einmal zwei) war die Show auch schon wieder vorbei. Aber man will dem Publikum vielleicht auch nicht zu viel zumuten. Wenn sie schon beim Bauchtanz halb 12 nen Herzkasper bekommen, buchen sie keine Reisen mehr. Und das ist schlecht fürs Geschäft.

Hot and steamy.
Hot and steamy.

Angehottet von so viel Kunst, Kultur, Exxxotik und SEX SEX SEX, fiel mir wieder ein, warum mein Puls eigentlich auf 180 war: Polster & Pohl, oder wie ich gerne sage: Polster & Cooooool. Und kaum hatten wir uns durch Halle 3 (die Caravanen-Halle) durchgekämpft, [Die Karavane zog weiter.] waren wir auch schon in der Heiligsten aller Hallen angelangt: Halle fümpf. Hier tummelte sich alles, was Rang und Namen hat oder dachte, dass man hier sein musste, wenn man denkt, dass man Rang und Namen hätte. [Präteritum und Konjunktiv tun meine besten Freunde sein.]

Man musste sich nicht lange umsehen, da stach einem schon, in wunderschönster Farbkombination aus Rot und Pissgelb entgegen: Polster & Geil.

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Geil.

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Geil.

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Geil.

Die massive Präsenz des Reiseanbieters auf dieser Messe hatte offensichtlich zweierlei Gründe. Erstens: Polster & Pohl sind einfach cool. Zweitens: Polster & Pohl scheinen vor zwei Jahren volljährig geworden zu sein, feiern somit jetzt ihren 20. Geburtstag und sind somit ein Drittel so alt wie ihre durchschnittlichen Kunden. (Spricht man von Polster & Pohl im Plural oder ist das eine Firma im Singular? Meine Grammatik bitte ich zu entschuldigen.)

Polster & Sexy bieten Busreisen überall dahin an, wo es geil ist: Europa, Asien, Afrika, Amerika. Fuck you, Australien. Niemand mag Australien. Und wer Australien doch mag, der sollte sich mal fragen, warum Polster & Better Than You Australien nicht mag/mögen. Ihr Loser.

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Zur Feier des Tages verschenkte Polster & Mega an alle, die es schafften, sich gesittet in einer Schlange anzustellen, eine fucking Brezel. Ohne Salz aber mit Original Polster & Swag-Sticker (essbar!!!!). Geschmacklich kam man hier voll auf seine Kosten. (Es war super ekelhaft, aber gratis.)

[Nun folgt ein Absatz, für den ich zwei mal Google anwerfen musste, um zu gucken, wie man das schreibt. Allerdings habe ich nicht Google benutzt, sondern startpage.com. Uncool, I know.]
Nachdem ich mich in diversen Katalogen von Polster & YOLO gewälzt hatte, ging es weiter durch Halle 5. Internationales Flair kam auf, als sich diverse Länder der Welt an ihren Ständen präsentierten. Egal, ob Kanada, Taiwan oder Leipzig (repräsentiert durch die wichtigsten Medien der Stadt: LVZ und Stadtschwärmer). Und während mir Harry Freaking Wijnvoord (!!!!!) fast auf die Füße getreten ist, sah ich an einem Stand den Lieblingsschauspieler von ungefähr 3,5 Millionen Menschen: Shah Rukh Khan. Er stand neben einer gesichtslosen Frau und wirkte, wie immer: Shah Ruhk Cool.

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[Wie unglaublich demütigend und frustrierend muss das für diese Frau sein, deren Kopf ausgeschnitten wurde? „Hey Baby, du wirst berühmt. Wir machen ein Fotoshooting mit dir und, wait for it, Shah Rukh Fucking Khan.“ „Oh wow, das ist ja toll.“ „Ja, wir schneiden dein Gesicht dann allerdings aus, also push deine Titties bitte noch ein bisschen mehr.“ „Öh. Okay… geil, mach ich.“]

Nach etwas mehr als einer Stunde waren die Hallen der Messe unsererseits dann auch weitestgehend erkundigt. Eine Frage kam mir während meines Besuchs allerdings immer wieder in den Sinn: Bin ich unnormal, wenn ich mich nicht so über einen Urlaub freue, wie die Menschen auf den Plakaten?

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Happy.

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Happy.

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Happy.

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Clap along if you feel like happiness is the truth.

Alles in allem war der Besuch der Touristik & Caravan & Konföderiertenflaggenmesse ein echtes Highlight in meinem sonst so tristen Leben. Von daher: Leute, geht da raus, guckt euch das an! Senkt den Altersdurchschnitt! Liebt euch in einem Wohnmobil! Nutzt die Chance, noch habt ihr sie! Bis Sonntag, den 20.11.2016, habt ihr die Gelegenheit, es euch mal so richtig geil gutgehen zu lassen. Wer sich das entgehen lässt, ist selbst schuld.

[Für diesen Artikel habe ich keinerlei Geld oder sonstwas bekommen. Ich musste meinen Eintritt selbst bezahlen. Und auf der Messe selbst erhielt ich nur eine Brezel und eine Praline (zum Essen). Allerdings würde ich mich über einen Reisegutschein von Polster & Pohl sehr freuen. Wenn ihr das also lest, geilstes Reiseunternehmen wo gibt, meldet euch.]

Wenn alle gehen, dann bleibst immer noch du.

„I’m sorry
I can’t
Don’t hate me.“

Manche Abschiede fallen schwerer als andere.

Als ich die High School verlassen habe, da dachte ich sehr lange, dass ich nie wieder so gute Freunde finden würde, wie ich sie in dieser Zeit hatte. Doch dann war die High School vorbei, ich zog aus und um und das Leben ging weiter. Und siehe da: Man findet neue Freunde. Bessere als vorher. Menschen, die einen inspirieren. Seelisch, moralisch, ideell, finanziell.

Und so erlebt man dann viele Dinge gemeinsam. Und viel brennt sich ins Gedächtnis. Wie damals, als ich mit Chicken Wings nach meinem Date geworfen habe. Und wir Pot geraucht haben. Oder als ich stundenlang Schleichwerbung für Produkte einer Obstfirma gemacht habe.

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Es waren gute Zeiten. Manchmal, da war es nicht leicht. Vor allem mit mir und den Männern. Aber, und das habe ich in all den Jahren gelernt: Männer sind das letzte. Und ersetzbar. Ich meine… come on.

Es gibt allerdings etwas sehr Wichtiges im Leben, das kann man nicht so leicht ersetzen. Und das ist mir jetzt wieder schmerzlich bewusstgeworden. Ich muss etwas ausholen und eine kleine Geschichte erzählen.

Mister Big und ich sind gemeinsam über einen großen städtischen Friedhof gelaufen. Viele Menschen verbringen hier ihr Leben nach dem Tod in der horizontalen Weite von vielleicht einem Quadratmeter. Solche Friedhöfe erzeugen in mir immer eine ganz spezielle Gefühlsmischung. Einerseits ist da die Angst. Angst vorm Sterben oder Angst, nicht alles geschafft zu haben, was man schaffen wollte. Andererseits ist da auch Respekt. Respekt vor dem Leben der nicht mehr unter uns Weihenden. Respekt vor Leben und Tod an sich. Respekt vor der Zeit. Auch Dankbarkeit mischt sich in meinen Cocktail der Emotionen. Und so sind es dann die Gedanken, die mich begleiten – bis nach Hause zur Tür, wo ich einen verschmitzten Kuss meiner Begleitung bekomme und romantisch gegen meinen Briefkasten gedrückt werde:

Das Leben ist kostbar. Und endlich. Wir müssen viele Abschiede in unserem Leben überstehen. Häufig stehen wir da und müssen mit dem schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen klarkommen. Und vielleicht bekommt man irgendwann Übung in diesen Dingen und es fällt mit der Zeit leichter, Abschied zu nehmen. Möglich ist aber auch, dass die Menschen, die uns wirklich etwas bedeuten, immer weniger werden und es so nur noch schwerer wird, Abschied von den Verbliebenen zu nehmen.

Und irgendwann ist es so weit, dass wir diejenigen sind, die gehen. Und dann ist der Moment gekommen, in dem Menschen um unseren Sarg stehen und ihre letzten Worte über uns verlieren, während wir noch ein wenig zuhören können. Und hier kommt meine größte Angst ins Spiel: Was werden diese letzten Worte über mich sein? „Sie war eine wundervolle Person, aber sie war nie genug.“ „Sie hat zu wenig gearbeitet und sie hat sich nie wirklich um ihren Schuhschrank gekümmert.“ „Eine mickrige Sammlung an Wertgegenständen.“ „Eine Schande für den Kapitalismus.“ „Ein Freigeist.“ „Mama, ich muss A-A und der Stift malt schon.“

Könnte ich damit leben? Nein. Denn ich wäre ja tot.

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Aber da ich noch nicht tot bin, habe ich es genau jetzt in der Hand. Ich kann immer noch Inbound Marketer werden, mein Geld hart verdienen und es für überteuerte Markenprodukte ausgeben, um meinen Freunden zu imponieren und mich selbst besser zu fühlen. Ich kann den ganzen Tag vor dem Rechner hängen, digitalen Abfall produzieren und selbstverliebt aus meiner überteuerten Butze starren. Und ich kann mich jeden Tag neu erfinden – und immer wieder die Gleiche sein.
Und genau diese Gedanken bringen mich jeden Morgen aus dem Bett und zaubern mir ein Lächeln in mein viel zu schönes Gesicht.

Bei all dem ist es immer wichtig, sich selbst treu zu bleiben. Im Angesicht des Todes gibt es manchmal nicht viel, was uns tröstet. Aber eine Sache, die weiß ich jetzt:

Wenn alle gehen, dann bleibst immer noch du. Mein Schuh.

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Was ist hier eigentlich los

90er Jahre sind wieder Trend: weiße Schuhe, schlechte Diskomusik [Desire von Years & Years], komische Frisuren und Asylbewerberheime anzünden

jeden Tag kann man lesen, was irgendwo in Deutschland abgeht und ich fühle mich mehr als unwohl ein „deutscher Bürger“ zu sein

[Das hier hab ich vor fast einem Jahr, am 28. Juli 2015, um 10:15 Uhr geschrieben. Das sollten eigentlich nur Notizen sein, aber irgendwie bekomme ich das nicht zu Ende.]

Reudnitz-Köhlerstraße

Es ist kurz vor halb 3 nachts, ich fahre mit dem Fahrrad von einer Geburtstagsfeier etwas weiter draußen nach Hause Richtung Stadt. Eine Straßenbahnhaltestelle vor der vor meiner Haustür sitzt ein Mann und spielt „Für Elise“ auf einer Gitarre. Ich fahre vorbei, werde langsamer, als ich das Lied erkenne und fahre im großen Bogen zurück, um bei ihm stehen zu bleiben. Ich höre dem Lied bis zum Schluss zu und sehe dem Mann aufmerksam beim Spielen zu. Als er fertig ist, sage ich sehr laut Danke und setze mich wieder in Bewegung. Er hält seine Gitarre fest, schaut auf, sieht mich losfahren und im Verbeugen sagt er mit einem kleinen Frosch im Hals: Dankeschön.

Mach dir keine Sorgen.

Auf diesem Foto hier seht ihr die fantastische Bloggerin Annabelle sagt (oder zumindest einen Ausschnitt von ihr, höhö). Die junge Dame hat einen Blog, ist fantastisch und hat heute (Freitag, den 24. Juli) um 15 Uhr ein special Experiment vor, an dem ich ein bisschen mitwirken darf. Wer mehr wissen will, klickt auf ihren Blog. XOXO

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